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Rainer Werner Fassbinder |
Dass Rainer Werner Fassbinders Stück "Angst essen Seele auf" auch nach knapp dreißig Jahren nichts von seiner Aktualität verloren hat, zeigt die neue Produktion des Projekttheater Vorarlberg im Reichenfelder Hallenbad. Das Bühnenbild ist an Kargheit kaum zu überbieten: Sechs verschiebbare Spanplattenquader reichen aus, um die verschiedenen Handlungsräume anzudeuten. Die ältere Putzfrau Emmi (Barbara Dorsch) lernt in einer Kneipe den deutlich jüngeren Marrokaner Ali (Eddie Jordan) kennen, sie verlieben sich, sie heiraten. Doch die Umwelt reagiert - wie in der Vorlage für Fassbinder "All That Heaven Allows" auf Rock Hudsons und Jane Wymans Liebe - ablehnend: Ausländerfeindlichkeit mit den typischen Vorurteilen wird bei Nachbarn und Arbeitskollegen ebenso wie bei Emmis eigenen Kindern deutlich. Und nahtlos geht dieser offene Hass schließlich über in Verachtung, die hinter berechnender Freundlichkeit versteckt wird. Eine Alltagsgeschichte und auch die Sprache ist die des Alltags. Die zu Beginn zentralen Themen Einsamkeit und Sehnsucht treten in den Hintergrund und in 30 kurzen Szenen wird schlaglichtartig ein Blick auf den Umgang unserer Gesellschaft mit Menschen anderer Herkunft geworfen. Rollen sind auswechselbar Modellcharakter hat dieses Stück, keine vielschichtigen Charaktere werden gezeichnet, sondern Typen: die ArbeitskollegInnen im Overall, die neugierigen Nachbarinnen, der profitsüchtige Kaufmann. Mehrfachbesetzungen machen ihre Austauschbarkeit deutlich: Evelyn Fuchs, Christian Lemperle, Maria Hofstätter, Dietmar Nigsch meistern jeweils drei bis vier Rollen mit Bravour. Und auch das Publikum wird ein Teil dieser Gesellschaft, wenn Emmi, dem Zusammenbruch nahe, mit starrem Blick in den Zuschauerraum klagt: "Glotzt doch nicht so, das ist mein Mann!" Die Kürze der Szenen lässt allerdings den beiden einfühlsam agierenden HauptdarstellerInnen Barbara Dorsch und Eddie Jordan wenig Raum die Rollen zu vertiefen. Die Dramaturgie bedingt den raschen Abbruch emotional bewegender Momente. In diesen bruchstückhaften Szenen gelingt es dem Regisseur Walter Hiller dennoch manchmal fast wortlos, ruhig, aber mit großer Intensität Situationen dieser Paarbeziehung von der ersten Begegnung bis zum schweigenden Nebeneinander zu schildern. Hillers Regie setzt auf Reduktion und Minimalismus: Der/Die aktive ZuschauerIn ist gefordert - er/sie muss die einzelnen Teile zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Gefühl und Kopf werden gleichermaßen angesprochen, auf inszenatorische Schnörkel und große Gesten wird verzichtet. Nur ein Handy als einziges kurz auftauchendes Requisit macht deutlich, dass die Geschichte in unserer Zeit spielt. Auf alle anderen Äußerlichkeiten verzichtet Hiller. Die Abstraktion verleiht dem Stück Zeitlosigkeit und universale Gültigkeit und der Minimalismus öffnet den Blick auf das Wesentliche. |