Ulrich Hub
Die Beleidigten
 
 
 

Saiten-Virtuosen auf
Trivial-Trip

Christa Dietrich
Vorarlberger  Nachrichten
14.1.2002

     

Saiten-Virtuosen auf Trivial-Trip
Projekttheater bot österreichische Erstaufführung der "Beleidigten" von Hub 

Sind Ensemble-Musiker die sensibleren Menschen, solche denen die Schulung im unabdingbaren Aufeinanderhören auch im täglichen Miteinander zugute kommt? Die Frage ist obsolent, unabhängig davon, dass sie der deutsche Autor Ulrich Hub in seinem Stück "Die Beleidigten" verneint. Ein Streichquartett auf Psycho-, besser gesagt, Trivial-Trip. Im Feldkircher Pförtnerhaus hat das Publikum seit Samstag Gelegenheit, die andere Seite der Saiten-Akrobatik kennenlernen.

Dank des Projekttheaters. Das Ensemble - seit Jahren ein fixer Bestandteil des Vorarlberger Bühnengeschehens - hatte mit "Eva Braun" vor zwei Jahren erstmals ein Stück von Ulrich Hub im Programm. Die sorgfältige Darlegung gefährlicher und leider auch gegenwärtiger gesellschaftlicher Mechanismen anhand der Biographie einer "Nebenfigur" der Geschichte, nämlich Hitlers Geliebten, macht Hub zum vielzitierten Autor.

Zwei, nein vier Paare
"Die Beleidigten" haben sich - obwohl vor drei Jahren beim "Heidelberger Stückemarkt" ausgezeichnet - bislang nicht derart durchgesetzt. Die Proben eines Streichquartetts, das man - banale Handlungseinheiten im Stück aufnehmend - gleich zum "Streichquartett" erklären könnte, führen nicht zu kompaktem Ensembleklang: Geigen, Bratsche und Cello driften zusehends auseinander, das heißt, es gehen auch die übers Kreuz verknüpften Paarbeziehungen im Quartett zu Bruch.

Leichtfüßigkeit?
Anregend sind nicht unbedingt die Dialoge in diesem Quartettspiel auf blankem Podium, in dem immer einer den "Schwarzen Peter" hat bzw. beleidigt wird, Anregendes findet sich in der Struktur.
Es scheint so, als hätte Ulrich Hub versucht, die anspruchsvolle Umsetzung folgenschwerer Beziehungskonflikte mit Elementen des Boulevards oder mit der Derbheit zeitgemäßer Volksstücke zu durchbrechen. Das hat durchaus etwas. Leichtfüßigkeit, die etwa Botho Strauß (dem Triviales durchaus nicht fremd ist) in seinen Beziehungsstücken erreicht, weist diese Komposition dabei allerdings nicht auf. Obwohl man feststellen kann, das sich Maria Hofstätter und mit Ernst Mathon ein vielversprechender Neuzugang beim Projekttheater um eine solche sehr bemühen.

Zupfen und streichen
Hier werden Emotionen hingezupft, die man anderweitig leider allzu oft glattstreicht. Auch wenn die kumpelhafte Direktheit von Susi Stachs Cello gefallen kann und der sehr laute Dietmar Nigsch einiges an Witz aufbringt.
Die Regie (Evelyn Fuchs) hat der bekannten Rollenverteilung im Quartett mit erster und zweiter Geige, Bratsche und Cello vertraut, zuweilen hätte man aber gern noch mehr vernommen. Etwa noch mehr vom - dem Stücktext innewohnenden - feinen Humor.
Dennoch viel Premieren-Applaus im ausverkauften Pförtnerhaus.
Schmunzeln darf man übrigens auch über die Stückauswahl einer Theatergruppe, die sich seit geraumer Zeit mit viel Pioniergeist um ein größeres Kulturangebot in der Konservatoriums-Stadt Feldkirsch bemüht, die Theaterschaffende bislang eher stiefmütterlich behandelte, nun aber mit Millionenaufwand ein Musik-Festival aus dem Boden stampft.