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Biljana Srblanovic
Christa Dietrich
Vorarlberger Nachrichten 15.10.1999
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Themen, die schmerzlich aktuell sind Es ist ein Stück über einen konkreten Krieg, von einer Autorin, deren Texte im eigenen Land zur Zeit nicht aufgeführt werden dürfen. Was die junge Serbin Biljana Srbljanovic da entwirft, hat die Auseinandersetzung zwischen den Kulturen, den Nationalismus und den Haß aber nur bedingt zum Thema, Srbljanovic' Blick gilt dem einzelnen Menschen in seinem sozialen Gefüge, sie verzerrt ihn bewusst und fördert Dinge zutage, die in Vorarlberg - nicht nur weil der Balkankonflikt so nahe ist - geradezu schmerzlich aktuell sind. Wenn da eine Mutter ihr Kind nach Drogen untersucht, wenn dabei von mörderischen Dealern und ,,fremden Söldnern" die Rede ist, die ,,den Ausverkauf unseres Landes" betreiben, dann wird man an Parolen erinnert, die auch österreichischen Wählern zunehmend genehm sind. Was tut die Autorin? Sie lässt Kinder Erwachsene spielen, erhebt eine therapeutische Maßnahme zum Kunstgriff, den sie geschickt variiert und mit absurden Elementen anreichert. Auch wenn die Autorin nicht den Fehler macht, hier zu urteilen, macht sie klar, dass die "Bürger eines zugrundegerichteten Staates" (Srbljanovic) ihr Verhalten nicht allein mit der Extremsituation abtun können, in der sie sich befinden. Sie zeigt viel auf, was zu derartigen Situationen führt, braucht nicht korrekt zu sein in ihrer Analyse, ist aber genau genug, um trotz Überzeichnung relevante Defizite im Rollenverhalten und Zusammenleben auzumachen. Es mag dies auch schon alles aufgezeigt sein, in der Spielsituation, die sich mehr und mehr als Kampf ums Überleben darstellt, hatt es enorme Wirkung. Mit der Brechstange Das Projekttheater Vorarlberg hat dem Geschehen mit der Ausstatterin Renate Schuler einen konkreten Rahmen gegeben. Die Wand besteht aus Zeitungen und deutet auf die Problematik der medialen ,,Verwertung" des Konflikts. Regisseur Walter Hiller weicht geschickt jeglichem angommenen kindlichen Verhalten aus und geht in der Derbheit, die er von Maria Hofstätter und Dietmar Nigsch (Milena und Vojin) zur Umsetzung der Überzeichnung verlangt, mitunter mit der Brechstange vor. Auch eine Möglichkeit, anderswo (das Stück wird gerade in Deutschland häufig gespielt) übergeht man einige banale Sequenzen mit koboldhaftem Agieren. Christian Lemperle (Andrija) und Sandra Bra (Nadezda) gehören zumeist die zarteren Töne. Gesamthaft ergibt sich ein Spiel, das über alle Einzelszenen sehr sehr nahe zu gehen vermag. |