|
Andreas Staudinger |
Eine Grenzerfahrung . . . Sie verweigern die Nahrungsaufnahme, absolvieren ein strenges Bewegungsprogramm, machen sich den Körper, die eigene Behausung zum Feind und entfremden sich damit der Welt - bis zum Tod. Andreas Staudinger hat ein Stück über diese Menschen - vorwiegend sind es junge Frauen - geschrieben, das Projekttheater hat es umgesetzt: sprachlich und in Bildern, die sich nicht aufdrängen und damit umso tiefer einprägen. Magersucht und Essstörungen sind kein junges Phänomen. Autor Andreas Staudinger lenkt bewusst etwas ab von der gegenwärtig ins Gerede gekommenen Modebranche, die zur Kleiderhaken-Optik tendiert, und nahm sich ein Frauenschicksal aus den zwanziger Jahren für seinen im Herbst letzten Jahres in Wien uraufgeführten Text "Fremd Körper" zum Anhaltspunkt. Ein poetischer Monolog, in dem - klug eingesetzt - sprachlich Rituale nachgezeichnet sind, denen sich die Hauptfigur im Alltag unterwirft, skizziert Verweigerung. Rasch betrachtet ist es das Verweigern von Reproduktion: Nahrung und Sexualität werden zur ekelhaften Angelegenheit. Grundsätzlich geht es auch um zeitlos kulturelle Fragen. Wo und wann gilt was als Inbegriff des Begehrenswerten, inwieweit wird es bedrohlich bzw. lebensbedrohlich? Staudinger hat sich behutsam in die Innenwelt einer Betroffenen vorgewagt. Auf die sprachliche Raffinesse - die auch Sehnsüchte zum Ausdruck bringt - wurde bereits verwiesen, die Bühnentauglichkeit bleibt über den Einsatz des Tanzes gewahrt, die Thematik selbst tritt allerdings auch auf der Stelle. Ist das Problemfeld umrissen, gibt es keine neue Erkenntnis mehr. Was die gut eineinhalb Stunden damit durchgehend trägt, ist die Präsenz von Performerin und Schauspielerin. Regisseurin Evelyn Fuchs hat das Problem des Verinnerlichens mit der jungen Vivian Bartsch gut erarbeitet. Natascha Wöss überträgt etwa mit Mitteln des Butoh-Tanzes die Drangsalierung des Körpers. Die Strangulierung mit dem Maßband darf man als etwas banales Bild empfinden, der transparente Bühnenraum (Doris Hotz) bietet dafür vielschichtigere Auseinandersetzung. Heftiger Applaus nach der - nachvollziehbaren - kurzen Reserviertheit des Publikums. |