Robert Wölfl
Jekyll & Hyde
 
 
 

Dem Schafspelz entschlüpft,
Vorarlberger Nachrichten 14.2.2006

     

Dem Schafspelz entschlüpft
Den Reiz des Bösen lotete das Projekttheater mit „Jekyll und Hyde“ erfolgreich aus.

Feldkirch (VN) Wenn Jekyll Hyde ist, ist Hyde auch Jekyll. Und kann denn das Gute ohne seinen Gegenspieler, das Böse, überhaupt existieren? Robert Wölfl, ein junger, in Kärnten geborener Autor, bringt diese Fragestellung in seiner „Jekyll und Hyde“-Bearbeitung zur Sprache. Das Projekttheater Vorarlberg brachte sie am Wochenende auf die Bühne des Feldkircher Pförtnerhauses. Und das mit Erfolg.

Weniger ist mehr
Nun, beginnt man am Beginn, so ist die Thematik des Stücks bereits in der reduzierten Gestaltung der Bühne durch Marie Luise Lichtenthal vorgezeichnet. Schaukästen zeigen die Entwicklung der Stubenfliege von der Verpuppung bis zum Schlüpfen und demonstrieren dadurch, dass sich das Animalische doch aus der Einschnürung durch die Konvention befreit. Geschickt gesetzte Spiegelelemente komplettieren den theatralen Tatort, indem das Spiegelbild den sich Spiegelnden in zwei Erscheinungsformen spaltet. Der Helden dieses Abends sind, Hut ab vor ihrer Leistung, vier. Allen voran Peter Badstübner, der nicht nur dem im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht zurückhaltenden Dr. Jekyll, sondern auch dem gewalttätigen Mr. Hyde eine eigene Physiognomie zusprach.
In rasender Geschwindigkeit vollzog sich der Wechsel zwischen beiden Charakteren. Mit anrührender Energie ließ Badstübner den inneren Kampf zwischen Gut und Böse Dr. Jekylls plastisch hervortreten.

Große Geste und Detail
Mit Estefania Miranda Rojas wird Dr. Jekyll seine schnippische, leicht hysterische Verlobte Ivy zur Seite gestellt, die sich zunehmend von der Vitalität des Bösen verführt sieht. Zwischen Gut und Böse schiebt sich das Gesetz, dem der Vorarlberger Dietmar Nigsch in der Rolle des Rechtsanwaltes Utterson als Sprachroht diente. Die Brillanz der schauspielerischen Leistungen, bei der große Gesten ebenso punktgenau gesetzt waren wie das Detail, bestimmte den Theaterabend.
Der Titel der vierten Heldin ist Susanne Lietzow zugedacht, die in ihrer Regieführung einen „Jekyll und Hyde“ auf die Bühne stellte, für den es nicht nur Lob, sondern Superlative regnen sollte. So wird Theater zum Erlebnis.