Werner Schwab
Die
Präsidentinnen
 
 
 

Petra Hallmayer
SZ, 14.5.2007
Brutal witzig



     

Brutal witzig
Werner Schwabs „Präsidentinnen“ als Comedy im Vereinsheim

Ein schräges Trio: Dietmar Nigsch lüsternes, papageienbuntes Mordstrummweib Grete trägt clowneske und riesige, knallgrüne Lidschattenhalbmonde. Martina Spitzers prüde, fantastisch sparsame Kittelschürzen-Erna – ein bigotter, bellender Feldwebel – balanciert einen Pelzkappenturm auf dem Kopf. Die einfältige Klofrau Mariedl (stark: Maria Hofstätter) popelt in der blutig roten Nase und sabbert Spuckbäche, die über ihr Kinn rinnen.
Drei Kleinbürgerinnenmonster schütten in Werner Schwabs Fäkaldrama „Die Präsidentinnen“, einer makaberen Volkstheatertravestie, am Küchentisch ihren Lebensmüll aus. Das Projekttheater Vorarlberg macht daraus im Vereinsheim eine Gaudi voll wilder, grotesker Komik, die gezielt die Ekelgrenze überschreitet. Nachdem Erna ausgiebig gespien hat, ist ihr Gesicht mit Kotze bedeckt, an der Mariedl dann gleich ein bisserl schnuppern mag.
Weil die vom Glück vergessenen auch einmal „eine Hetz“ haben wollen, setzen sie sich Faschingshütlein auf und berauschen sich an ihren Wunschphantasien. Während Grete und Erna vom sozialen Aufstieg träumen, malt sich Mariedl eine Verstopfung aus. Doch als die von allen Verachtete in einer sadistisch unheiligen Vision die Lebenslügen der anderen zerstört, wird sie massakriert. Bis dahin darf viel gelacht werden. Sicher ließen sich auch dunklere, schmerzhaftere Töne anschlagen. Es ginge auch anders, aber so geht es auch. Schwab als radikal witzige Grusel-Comedy. Dafür bekam das Trio am Ende großen Applaus und jodelte eine Zugabe.