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Peter Turrini |
Volkstheater im besten Sinn Die im 16. Jahrhundert entstandene italienische Stegreifkomödie diente als Vorlage für die Inszenierung von Peter Turrinis ,, Die Wirtin". Ein Stück, das von Wortwitz und Slapstick gleichermaßen lebt, das derb und krachledern auftritt, in dem aber die feingesponnenen Fäden von Ironie und kritischer Selbstbespiegelung ebenso wenig fehlen. In einem Zirkuszelt in St. Gerold wird Theater fürs Volk unter Strapazierung der Lachmuskeln gespielt. Turrinis Stück ist eine klamaukartige Abrechnung mit den Männern, ihren Wunsch- und Wirklichkeitsphantasien nach Lust und Laster einerseits und Wahrung des äußeren Scheins andererseits. Elmar Drexel, im lnnsbrucker Kellertheater seit Jahren regieerprobt, inszeniert, in dem er reduziert. Er läßt den ungewöhnlichen Aufführungsort wirken und benötigt nicht viele Requisiten: ein Tisch, ein Bett, ein Stuhl. Die Kostüme in der Ausstattung von Karl Rauskolb reduzieren sich ebenfalls auf die Kurzcharakterisierung der einzelnen Personen. Drexel hat aber einen starken Verbündeten: die ganze Schauspieltruppe, allen voran die beiden Hauptdarsteller Sieglinde Müller als Mirandolina und Dietmar Nigsch als ihr gelehriger Schüler. Sieglinde Müller wächst nach einer kurzen Anlaufzeit perfekt in ihre Rolle hinein. Spachlich sehr überzeugend, verkörpert sie eine heutige Mirandolina, eine Frau, die weiß, was sie nicht will und sich holt, was sie will. Dietmar Nigsch ist ein sehr ernsthafter Cavaliere, der sich überzeugend vom Frauenhasser in einen liebestollen Narren verwandelt. Ein schauspielerisches Glanzstück ist die Szene, in der er dreimal vergeblich versucht, Mirandolina seine Liebe zu gestehen. Bleibt noch Uwe Kosubek als gevieftes neapolitanisches Schlitzohr Fabrizio, der Schelm des Stückes, der die Verwicklungen so eigentlich ins Rollen bringt. Auch er ist ein wahrer Treffer in seiner Rollenbesetzung. Mit diesem ,,Zeltfest" im Großwalsertal ist den Organisatoren eine lobenswerte Initiative geglückt, Volkstheater im besten Sinn des Wortes. |